Okt 19

Komet C/2020 F3 (NEOWISE)

Nachdem es in der Woche zuvor die ganze Zeit bedeckt gewesen war, gab es für die Nacht vom 11. auf den 12.07.2020 eine sehr vielversprechende Wettervorhersage, um den Kometen C/2020 F3 (NEOWISE) zu beobachten. Deshalb suchten wir nach einem geeigneten Ort sowohl für die visuelle Beobachtung als auch für die Fotografie. Tankred schlug einen seiner Lieblingsplätze vor zum Fotografieren; einen öffentlichen Wanderweg entlang eines Weinbergs in der Nähe der Ruine der Strahlenburg bei Schriesheim. Dort hat man im Westen freien Blick auf die Rheinebene und im Norden sieht man die Strahlenburg. Nach Tankreds Schätzung sollte der Komet in der Nähe der Burg am Dämmerungshimmel auftauchen. Nach Diskussion einiger alternativer Standorte beschlossen wir gemeinsam hinauszugehen, um dieses Naturschauspiel zu beobachten und zu fotografieren. Tatsächlich konnten wir den Kometen kurz vor 23:00 Uhr im Fernglas erspähen, zu dem Zeitpunkt stand er direkt über dem Burgturm.

Zu dem Zeitpunkt hat Tankred mit Stativ die Burg mit Himmel und großen Teilen der Landschaft aufgenommen. Für die Weinberge verwendete er eine länger belichtete Aufnahme, um Struktur zu erhalten. Mit fortschreitender Dunkelheit wurde der Komet sogar mit bloßen Augen ohne optische Hilfsmittel sichtbar. Den Kometen hat Tankred dann mit Nachführung mehrfach fotografiert bis er kurz vor halb zwölf hinter den Bäumen verschwand.

Aus diesen Aufnahmen hat Tankred eine detailreichere ausgewählt und zusammen mit den Sternen in die Landschaft platziert. So kommt die Intensität des Erlebnisses auch im Bild so rüber. Seine Aufnahmen hat Tankred mit folgender Ausrüstung angefertigt:

  • Kamera: Nikon D7000
  • Objektiv: Sigma 17-70mm bei 70mm und mit dem Sigma 105 Makro
  • bei ISO 100 und 400 und f/5.6
  • Belichtungszeiten lagen zwischen 4 und 20s.

David hat folgende fotografische Ausrüstung verwendet:

  • Kamera: Sony Alpha 7
  • Objektiv: Samyang AF 75mm F1.8 FE
  • Montierung: Skywatcher Star Adventurer
  • Programmierbare Kabelfernsteuerung: Hama DCCS

Für eine genaue Ausrichtung der Montierung auf den Himmelsnordpol hat David die mobile App PolarFinder verwendet. Außerdem hat er folgende Softwarepakete zur Bearbeitung verwendet: Sequator, Adobe Lightroom, Gimp, Fitswork. Die Rohbilder hat er wie folgt aufgezeichnet:

  1. Zunächst hat er eine HDR-Sequenz mit 1s, 4s, 15s Belichtungszeit bei ISO-400 und f/4 aufgenommen, um die Landschaft einzufangen; die Nachführung blieb dafür abgeschaltet.
  2. Nachdem er die Qualität der Ergebnisse für die Landschaft überprüft hatte, hat David seine Montierung zur Nachführung eingeschaltet.
  3. Um 23 Uhr MESZ nahm er ein Referenzbild mit 4s Belichtungszeit bei ISO-400 und f/4 auf. Dieses Bild definiert die relativen Positionen der Himmelskörper zur Landschaft im Vordergrund für die spätere Nachbearbeitung.
  4. Mit aktivierter Nachführung hat David 240 Aufnahmen mit 4s Belichtungszeit bei ISO-800 und f/4 gemacht.

Die Rohbilder hat David wie folgt verarbeitet:

  1. Aus den drei Belichtungen aus a) hat er mit Adobe Lightroom und GIMP ein HDR-Bild der Landschaft erstellt. Dann hat er den verschwommenen Kometen und alle Sterne aus dem Bild entfernt. Außerdem hat David einige störende Details aus dem Bild entfernt, wie zum Beispiel Menschen, die durch den Weinberg liefen, und Graffiti von den Mauern im Vordergrund.
  2. Mit Hilfe von Sequator hat David 30 ausgewählte aufeinanderfolgende Rohbilder aus d) addiert, um ein scharfes Bild des Kometen und der Sterne zu erhalten.
  3. Mit Hilfe von Fitswork hat David das Referenzbild aus c) so ausgerichtet, dass die Landschaft mit der Landschaft im HDR-Bild aus i) übereinstimmt.
  4. Mit Hilfe von Fitswork hat er das summierte Himmelsbild aus ii) so ausgerichtet, dass die Himmelskörper mit den Himmelskörpern im Referenzbild übereinstimmen, das bereits gemäß iii) ausgerichtet wurde.
  5. Mit Hilfe von GIMP hat David den Kometen einschließlich seiner Umgebung aus iv) in das HDR-Bild aus i) eingefügt. Glücklicherweise sind in diesem Bildbereich keine Wolken vorhanden, so dass eine nahtlose Anpassung an den Hintergrund leicht möglich war. Die anderen Bildbereiche enthalten Wolken, deren visuelle Erscheinung durch das Additionsverfahren aus ii) unrealistisch wirkte, so dass das Einfügen des gesamten Himmels aus iv) nicht in Frage kam. Stattdessen entschied David sich für die folgenden Schritte:
  6. Mit Lightroom hat er zunächst alles im Bild aus iv) maskiert und dann die Maske an der Position der helleren Sterne manuell gelöscht. Für die verbleibenden maskierten Bereiche hat er die Helligkeit auf sehr niedrige Werte geschoben, und zusätzlich hat er die Helligkeit der unmaskierten Sterne erhöht.
  7. Mit Hilfe von Fitswork bildete David pixelweise das Maximum der aus vi) und v) resultierenden Bilder. Dadurch wurden die unmaskierten hellen Sterne in das Bild übertragen.
  8. Mit Lightroom hat David diejenigen Sterne entfernt, die sich in Bereichen befanden, die von Wolken bedeckt waren, was natürlich unrealistisch aussehen würde.

Schließlich folgten einige Anpassungen in Farbe und Kontrast.

Das nächste Bild zeigt den Kometen C/2020 F3 (NEOWISE). Ich habe es am 21. Juli 2020 vom Grünstadter Berg aus aufgenommen. Es handelt sich um ein zusammengesetztes Bild, bei dem ich die Landschaft und den Sternenhimmel zu unterschiedlichen Uhrzeiten belichtet und kombiniert habe. Der Komet markiert relativ zu den Sternen laut Referenzbild des Stacks folgende Zeit: 23:35 Uhr (MESZ). Die Ausrichtung der Landschaft relativ zu den Sternen markiert laut eines später aufgenommenen Referenzbildes den Zeitpunkt 23:50 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt war der Komet schon geringfügig gewandert relativ zu den Sternen, was bei dieser Weitwinkelaufnahme aber nicht auffällt; mir war es daher nur wichtig, das ansonsten die Sterne alle an der korrekten Position abgebildet werden. Die Landschaft habe ich bereits in der Dämmerung als Panorama aufgenommen, so dass ich später anhand des Referenzbildes einen deckungsgleichen Ausschnitt mit korrekter perspektivischer Projektion daraus wählen konnte bei der Bearbeitung.

  • Ort: Grünstadter Berg
  • Kamera: Sony Alpha 7
  • Objektiv: Samyang AF 24mm F2.8 FE
  • Montierung: Skywatcher Star Adventurer
  • Belichtungszeit: Komet und Sternenhimmel: 25 x 15 s, f/4, ISO 800; Landschaft: Ausschnitt aus Panorama mit 4 s, f/8, ISO 400
  • Nachbearbeitung: DeepSkyStacker, Lightroom, Image Composite Editor, Fitswork, Gimp

Das vorliegende Bild zeigt den Kometen C/2020 F3 (NEOWISE) über dem Pfälzerwald. Ich habe es von der Burgruine Lindelbrunn bei Vorderweidenthal aus aufgenommen. Es handelt sich um ein zusammengesetztes Bild, bei dem ich die Landschaft und den Sternenhimmel zu unterschiedlichen Zeiten belichtet und kombiniert habe. Daher ist das finale Bild in einem Detail nicht hundertprozentig wissenschaftlich korrekt: Der Komet markiert relativ zu den Sternen laut Referenzbild des Stacks folgende Zeit: 18. Juli 2020, 23:37 Uhr MESZ. Die Ausrichtung der Landschaft relativ zu den Sternen markiert laut eines später aufgenommenen Referenzbildes den Zeitpunkt 19. Juli 2020, 00:56 Uhr MESZ. Zu diesem Zeitpunkt war der Komet schon geringfügig gewandert relativ zu den Sternen. Dem normalen Betrachter fällt dies kleine Verschiebung des Kometen wahrscheinlich nicht auf; mir war es daher nur wichtig, das ansonsten die Sterne alle an der korrekten Position abgebildet werden. Ich habe den Sternenhimmel mit dem Kometen belichtet, als der Komet noch recht hoch stand, das war auch eine gute Entscheidung, denn später zogen Wolken auf. Die Landschaft habe ich bereits vorher in der Dämmerung als Panorama aufgenommen, sodass ich später anhand des Referenzbildes genau den richtigen Ausschnitt daraus wählen konnte bei der Bearbeitung.

  • Ort: Burgruine Lindelbrunn bei Vorderweidenthal
  • Kamera: Sony Alpha 7
  • Objektiv Samyang AF 75 mm F1.8 FE
  • Montierung: Skywatcher Star Adventurer
  • Belichtungszeit: Komet und Sternenhimmel: 25 x 15 s, f/4, ISO 800; Landschaft: Ausschnitt aus HDR-Panorama mit 0,25 s, 1 s, 4 s, f/4, ISO 400; Nachbearbeitung: DeepSkyStacker, Adobe Lightroom, Fitswork, Gimp

Tankred hat den Komet in Lippe bei Detmold erwischt und dabei folgende Ausrüstung verwendet:

  • Kamera: Nikon D7000
  • Objektiv: 24mm f/5.6
  • Aufnahme: 8x 60s ISO 500 – Landschaft separat belichtet.

Daniel hat ebenfalls einige interessante Aufnahmen von Neowise gemacht, die auch das Innere des Kommeten zeigen.

  • Sony Alpha6000
  • Objektiv: Samyang 35mm
  • Einzelbelichtung ISO 800/ 8sec
  • Sony Alpha 6000
  • Objektiv: Sigma 135 mm Filter DG Art
  • 64Bilder a 20 sec mit ISO2000 Blende f3.2
  • kalibriert mit Darks, Flats und Bias Frames, gestackt mit DSS, bearbeitet mit Pixinsight und PS
  • Sony Alpha6000
  • Objektiv: Samyang 35mm
  • Einzelbelichtung ISO 320/ 7sec
  • Sony Alpha6000
  • Objektiv: Samyang 35mm
  • Einzelbelichtung ISO 1600/ 7sec
  • Sony Alpha6000
  • Objektiv: mit Samyang 35mm
  • Panorama: 2 Bilder je  ISO 1600/ 4sec

Alexander hat den Kometen Neowise vom 11. und 12. 07. aufgenommen.

  • Kamera: Canon EOS 1000D
  • Objektiv: 300mm Zoom Objektiv
  • EBV mit Lightroom & Fitswork

Hier noch einmal alle Bilder in einer Galerie zusammengefasst

Zu den Personen – wir werden sicher unseren Leuten irgendwann mal einen eigenen Artikel widmen:

David, vom Beruf her Physiker, fotografiert in seiner Freizeit hauptsächlich aus der künstlerischen Perspektive und erhebt auch keinen Anspruch auf volle wissenschaftliche Korrektheit der von ihm produzierten Bilder. Dennoch versucht er stets zumindest eine realistische Komposition mit korrekten relativen Positionen und scheinbaren Größen der abgebildeten Himmelskörper und der Landschaft im Vordergrund zu erhalten. David findet ihr mittlerweile mit einigen Leserbildern bei Spektrum (Mars, Jupiter und Saturn am 4. Juli 2020 ).

Tankred ist Projektingenieur von Beruf. Er ist von Anfang an mit dabei im Verein und hat es schon mit einigen Aufnahmen ins Spektrum geschafft (Leserbilder Astronomie: Strichspuren über den Externsteinen)   Er fotografiert gerne Landschaften und bringt dabei den (Sternen)himmel und die Landschaft in Bezug (Flickr).

Daniel hat sich seit 2 Jahren mit vollem Elan in die Astrofotografie “eingefuchst”. Von der Anschaffung des Equipment bis hin zur Bildbearbeitung. Anders kann man das nicht sagen: es ist schon ein richtiger Profi geworden. Der Familienpapa ist also schwer dabei, wie man auf Astrobin sehen kan :-). Eins seiner Bilder hat es bereits in die Zeitschrift “Astronomie” gebracht.

Alexander ist immer wieder mit Astrophotos präsent. Mit der normalen Kamera oder dem Newton. Er macht jedoch auch viel Natur- und allgemeine Fotografie. Dies mit DSLR-Technik.

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